Multitasking und Stress

Wie ständiges Umschalten unser mentales Wohlbefinden beeinflusst

Für viele Menschen ist Multitasking ein besonderes Leistungsmerkmal. Wer multitaskingfähig ist, ist produktiver, erfolgreicher und schneller mit der Arbeit fertig. Und in vielen Alltagssituationen, sei es zu Hause bei der Erziehung von Kindern oder im Büro bei der Arbeit, ergeben sich immer wieder Situationen, in denen wir versuchen, mehrere Dinge gleichzeitig zu erledigen. Und manchmal wird Multitasking im Berufsalltag sogar vorausgesetzt und damit zur Norm.

Doch was ist dran am Mythos Multitasking? Können wir wirklich effizienter und produktiver arbeiten, wenn wir mehrere Aufgaben gleichzeitig erledigen? Wie funktioniert unser Gehirn und was macht diese Arbeitsweise mit unserem Kopf? Sind wir wirklich produktiver oder überfordern wir uns selbst?

Tatsächlich gibt es wissenschaftliche Erkenntnisse aus Studien zu diesem Thema. Und es lohnt sich, einen Blick auf die Fragen zum Multitasking zu werfen, denn eine Erkenntnis lässt sich aus den Untersuchungen auf jeden Fall ziehen: Es gibt einen Zusammenhang zwischen Multitasking und Stress. Wir werfen einen Blick auf die psychischen und physischen Folgen von Multitasking und möchten Strategien aufzeigen, mit denen Sie Ihre Arbeitsweise und Ihren Alltag besser gestalten können. Für Ihre körperliche und geistige Gesundheit.

Die Illusion der Effizienz: Warum Multitasking nicht funktioniert

Doch zunächst wollen wir mit dem ewigen Irrglauben aufräumen, Multitasking sei die effizienteste Art zu arbeiten. Die Wahrheit ist, dass unser Gehirn für die Bewältigung mehrerer komplexer Aufgaben zur gleichen Zeit gar nicht geeignet ist. Natürlich können wir telefonieren und gleichzeitig abwaschen. Oder während eines Gesprächs Notizen machen. Die geistige Beanspruchung dabei ist aber sehr hoch und erfordert viel Aufmerksamkeit und Konzentration. Die Form von Multitasking, um die es hier geht, ist dagegen der ständige Wechsel zwischen verschiedenen Aufgaben. Dieses Hin- und Herspringen wird auch als "Task Switching" bezeichnet und belastet unser Gehirn enorm.

Eine Leistungssteigerung und damit eine höhere Produktivität, wie gemeinhin angenommen, stellt sich dabei nicht ein. Vielmehr sinkt unsere Produktivität, wenn wir versuchen, mehrere Aufgaben gleichzeitig zu lösen. Wir meinen zumindest, mehrere Dinge gleichzeitig zu tun. Tatsächlich wechseln wir ständig zwischen den Aufgaben hin und her. Und genau dieses "Task-Switching" führt dazu, dass es unserem Gehirn immer schwerer fällt, relevante von irrelevanten Informationen zu unterscheiden. Die Folge ist eine Art kognitiver Überlastung. Wir machen mehr Fehler und brauchen insgesamt länger, um unsere Aufgaben zu erledigen.

Und Multitasking hat noch einen weiteren Effekt auf unser Gehirn: Es beeinträchtigt unser Kurzzeitgedächtnis und damit unsere Fähigkeit, Probleme zu lösen und kritisch zu denken. Statt zu mehr Effizienz kann Multitasking also insgesamt zu weniger Produktivität führen und uns sogar überfordern. Die vermeintliche Effizienz des Multitaskings ist also in Wirklichkeit eine Illusion, die uns mehr schadet als nützt.

Mentale und körperliche Auswirkungen von Multitasking

Die Folgen von Multitasking für Geist und Körper sind vielfältig. Neben der bereits erwähnten verminderten Produktivität führt die Belastung des Gehirns zu weiteren psychischen und physischen Beeinträchtigungen. Die permanente Überforderung, die durch das ständige Wechseln zwischen Aufgaben entsteht, führt zu einer erhöhten Ausschüttung von Stresshormonen im Körper. Überlastung ist deshalb ein ernstes Problem, weil sie zu einem Gefühl der Überforderung führt und sich der steigende Stresspegel im Laufe der Zeit in verschiedenen Formen manifestiert. In schweren Fällen kann Multitasking zu Angststörungen, Depressionen und anderen psychischen Problemen führen.

Auch wenn dies sehr extreme Auswirkungen von Multitasking sind, die nicht nur darauf zurückzuführen sind, dass wir gelegentlich versuchen, mehrere Aufgaben gleichzeitig zu erledigen, werden Sie feststellen, dass sich Ihre Fähigkeit, sich auf eine Aufgabe zu konzentrieren, verschlechtert. Auch wenn Sie nicht versuchen, mehrere Aufgaben gleichzeitig zu erledigen. Die negativen Auswirkungen von Multitasking auf Konzentration und Produktivität sind am deutlichsten spürbar. Nach jedem Wechsel braucht das Gehirn Zeit, um sich auf die neue Aufgabe einzustellen und sich neu zu orientieren. Das ist auch der Grund, warum die Produktivität beim Multitasking insgesamt sinkt. Vor allem, wenn der Stress chronisch wird. Das bedeutet, dass wir uns in einer dauerhaften Stresssituation befinden, der wir nicht entkommen können.

Nicht gemacht für unser Gehirn

Die Gründe für all das liegen in unserem Gehirn selbst, denn es ist von seiner Funktionsweise her nicht dafür gemacht, mehrere Aufgaben gleichzeitig zu erledigen. Unsere Fähigkeit, komplexe Probleme zu lösen, beruht darauf, dass wir uns so lange auf ein Problem konzentrieren, bis es gelöst ist. Erst dann können wir uns einem neuen Problem zuwenden. Inzwischen ist wissenschaftlich erwiesen, dass ständiges Multitasking sogar die Struktur und Funktion des Gehirns selbst verändern kann. Es kann die Dichte der so genannten grauen Substanz im anterioren cingulären Cortex verringern, einem Bereich des Gehirns, der für die Regulierung von Emotionen und die Entscheidungsfindung wichtig ist. Es sind genau diese Veränderungen, die zu einer erhöhten Anfälligkeit für Stress und Angstzustände führen und unsere Konzentrationsfähigkeit beeinträchtigen.

In den betroffenen Arealen werden neuronale Verbindungen geschwächt, die für fokussierte Aufmerksamkeit und tiefes Denken wichtig sind. Das Ergebnis ist eine geringere kognitive Flexibilität und eine verminderte Fähigkeit, sich auf komplexe Aufgaben zu konzentrieren. Die Auswirkungen von Multitasking auf das Gehirn sind also nicht nur kurzfristig, sondern bleiben auch bestehen, wenn wir unsere Arbeitsweise ändern. Unser Gehirn braucht Zeit, um wieder normal zu funktionieren.

Strategien für weniger Multitasking und Stress

Die Anreize, auf Multitasking zu verzichten und sich stattdessen auf einzelne Aufgaben zu konzentrieren, sind also hoch. Und wie bereits erwähnt, braucht es Zeit, um zum Normalzustand zurückzukehren. Wie also dem Stress entkommen? Was können wir im Alltag und im Beruf tun, um nicht immer wieder ins Multitasking zurückzufallen? Wir haben für Sie einige wirkungsvolle Ansätze zusammengestellt, mit denen Sie produktiver, gesünder und zufriedener werden können:

Zeitmanagement und Priorisierung: Strukturieren Sie Ihren Tag und planen Sie Ihre Aktivitäten im Voraus. Setzen Sie klare Prioritäten. Konzentrieren Sie sich auf jeweils eine Aufgabe und erledigen Sie diese, bevor Sie zur nächsten übergehen. Nutzen Sie Techniken wie die Pomodoro-Technik, bei der Sie in festen Zeitblöcken mit kurzen Pausen arbeiten.

Mehr Konzentration und Achtsamkeit: Üben Sie Achtsamkeitstechniken wie Meditation und Atemübungen. Diese helfen Ihnen nicht nur, sich zu entspannen, sondern verbessern auch Ihre Konzentrationsfähigkeit. Nehmen Sie sich regelmäßig Zeit für Ihre Übungen und fördern Sie so Ihre Aufmerksamkeit und geistige Klarheit.

Aufgaben gruppieren: Anstatt Aufgaben gleichzeitig zu erledigen, sollten Sie versuchen, ähnliche Aufgaben zu gruppieren. Beantworten Sie z. B. Ihre E-Mails innerhalb eines bestimmten Zeitraums, anstatt Ihre Arbeit immer wieder durch einzelne E-Mails zu unterbrechen.

Minimieren Sie Ablenkungen: Geben Sie Ihrem Geist die Luft und den Raum, die er braucht, um sich zu konzentrieren. Schalten Sie unnötige Benachrichtigungen auf Ihrem Smartphone oder Computer aus und schaffen Sie eine ruhige Arbeitsumgebung, in der Sie sich besser konzentrieren können.


Unser Fazit

Die Illusion des Multitasking ist real. Ebenso wie der Irrglaube an mehr Produktivität und Effizienz. Stattdessen sind die Auswirkungen auf unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden enorm. Weniger Konzentration, Produktivität, emotionale Belastbarkeit und im schlimmsten Fall sogar ernsthafte gesundheitliche Probleme. Langfristig leidet unser Gehirn und wir verlieren die Fähigkeit, uns wirklich zu konzentrieren.

Wir müssen uns von der Vorstellung verabschieden, dass Multitasking uns zu hochproduktiven Leistungsträgern macht. Unser Gehirn ist für Multitasking einfach nicht geschaffen. Wenn Ihnen das nächste Mal jemand erzählt, multitaskingfähig zu sein, dürfen Sie getrost schmunzeln – es ist und bleibt eine Illusion.


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